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Liste der Opfer rechter Gewalt
Seit der Einheit 93 Tote. Das sind deutlich mehr Opfer als offiziell bekannt gegeben wurden.
Das Innenministerium räumt "Defizite" bei der Erfassung von Angriffen ein.
[ 1990-1991 ]
[ 1992-1993 ]
[ 1994-1995 ]
[ 1996-1997 ]
[ 1998-1999 ]
[ 2000-2002 ]
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1998
Die 14-jährige Jana Georgi aus der thüringischen Kleinstadt Saalfeld wird am 26.
März 1998 auf offener Straße von einem 15-Jährigen erstochen, der kurz zuvor aus
einer psychiatrischen Einrichtung entlassen worden ist. Als Motiv gibt der
Jugendliche Rache für die Beschimpfung als "Fascho" an. Die Staatsanwaltschaft
verneint einen politischen Hintergrund. Der Junge sei ein "Einzelgängertyp",
der zwar gern Mitglied einer rechten Szene wäre, dort aber nicht akzeptiert werde.
Das Landgericht Gera verurteilt den 15-jährigen im Oktober 1998 wegen Totschlags
zu fünfeinhalb Jahren Jugendstrafe.
Der portugiesische Zimmermann Nuno Lourenco wird im Juli 1998 in Leipzig
niedergeschlagen; er stirbt an den Folgen der Tat am 29. Dezember 1998 in
Portugal. Die Täter sind acht junge Männer zwischen 15 und 20 Jahren, die
nach der WM-Niederlage deutscher Fußballer gegen Kroatien laut Staatsanwaltschaft
"Ausländer hacken" wollen. Das Landgericht Leipzig erkennt im September 1999 auf
Körperverletzung mit Todesfolge und verurteilt den Haupttäter, einen Elektro-Lehrling,
zu vier Jahren Haft, die Mitangeklagten erhalten Bewährungsstrafen.
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1999
Der 28-jährige Asylbewerber Farid Guendoul (alias Omar Ben Noui) wird in der Nacht
zum 13. Februar in Guben (Brandenburg) von einer Gruppe junger Rechtsextremisten
gejagt. In seiner Panik tritt der Algerier in die Glastür eines Plattenbaus und
zieht sich tödliche Schnittverletzungen zu. Im Juni 1999 beginnt am Landgericht
der Prozess gegen elf Tatverdächtige, eine Ende der Hauptverhandlung ist frühestens
im kommenden Oktober zu erwarten. Einige Angeklagte beteiligen sich an der Schändung
des in Guben aufgestellten Gedenksteins für Farid Guendoul.
Der 58-jährige Frührentner Egon Effertz wird am 17. März 1999 in Duisburg von drei
bekennenden rechten Skinheads totgetreten. Aus purer Lust an der Menschenjagd, wie
die Täter später erklären, schlagen sie auf Effertz ein. Sie brechen seine Rippen
und zertreten den Kehlkopf. Im Prozeß vor dem Duisburger Landgericht stellt der
Richter fest:
"Das Opfer schrie um Hilfe, Fensterläden wurden geöffnet und dennoch half niemand."
Im September 1999 wird der 22-jährige Oliver P. wegen Mordes zu lebenslanger Haft
verurteilt. Die Bundeswehr hatte Oliver P. vor der Tat wegen rechtsextremer
Umtriebe entlassen. Seine Mittäter, der 20-jährige Stefan E. und der 17-jährige
Gordon B., erhalten Jugendstrafen von zehn und acht Jahren.
Ein 44 Jahre alter Obdachloser wird am 9. August 1999 im niedersächsischen Eschede
von einem 18-jährigen Berufslosen und einem 17-jährigen Gymnasiasten mit
Springerstiefeln zu Tode getrampelt. Er hat die beiden wiederholt aufgefordert,
"den Scheiß mit dem Skinhead-Gehabe" zu lassen. Das Lüneburger Landgericht, das
im Januar 2000 fünfjährige Jugendstrafen verhängt, meint, die Tat sei nicht
politisch motiviert gewesen.
Dieser Fall wird von der Bundesregierung im Februar 2000 in der Antwort auf
eine PDS-Anfrage genannt.
Der 35-jährige Mosambikaner Carlos Fernando wird am 15. August 1999 in
Kolbermoor (Bayern) totgeprügelt. Der Täter Roman G. (31) hat sich zuvor
darüber aufgeregt, dass das Auto seiner Freundin von Afrikanern zugeparkt
worden sei. Das Landgericht Traunstein verurteilt G. am 16. Mai 2000 wegen
Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft ohne Bewährung. Das
Gericht sieht Ausländerhass nicht als zentrales Motiv an. Die
"Nürnberger Nachrichten" zitieren G. mit den Worten:
"Die Drecksneger gehören alle totgeschlagen".
Dieser Fall wird von der Bundesregierung im Februar 2000 genannt.
Der 38 Jahre alte Sozialhilfeempfänger Kurt Schneider wird in der Nacht
zum 6. Oktober 1999 von vier Skinheads in Berlin-Lichtenberg zu Tode gequält.
Das Landgericht Berlin verurteilt im April 2000 zwei 23-jährige, einschlägig
vorbestrafte Täter zu lebenslangen Freiheitsstrafen. Die beiden anderen
Angeklagten, 18 und 19 Jahre alt, werden nach Jugendstrafrecht zu acht
beziehungsweise achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Richter sagt
zwar, es habe sich nicht um ein rechtsradikales Delikt gehandelt, verweist
aber auf die Gesinnung der Skinheads.
Am 1. November 1999 erschiesst der 16-Jährige Martin Peyerl in Bad Reichenhall
(Bayern) vier Menschen: seine Schwester Daniela Peyerl (18), Karl-Heinz Lietz
(54), Horst Zillenbiller (60) und seine Frau Ruth Zillenbiller (59).
Anschließend tötet der Amokschütze sich selbst. Die Polizei entdeckt bei der
Durchsuchung des Zimmers von Martin Peyerl aufgemalte Hakenkreuze, Hitlerbilder,
Gewaltvideos, rechtsextreme CDs und ausländerfeindliche Parolen in einem Heft für
Notizen. Laut Staatsanwaltschaft Traunstein ist das Motiv des Jugendlichen unklar,
es liege "in der Persönlichkeit des Täters". Von Rechtsextremismus könne keine
Rede sein, denn Peyerl habe als "verschlossen und auffällig" gegolten.
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